Lindenbast

Gewinnung, Verwendung & Geschichte zu Bast und Linde



Abseits der Wege begab es sich am 1. Mai, dass von Forstarbeiten viel Lindenrinde im Wald zu finden war. In der Rinde liegen mehrere Schichten Lindenbast. Durch Regen angeweicht lassen sich schon ein paar Bahnen abziehen…


Lindenbast herstellen (lassen)

Um mehr von diesem Naturmaterial zu gewinnen, wird die basthaltige Rinde für ein paar Wochen in ein stehendes Gewässer eingelegt und beschwert.


Einige Wochen später kann die Rinde geborgen werden.
Mikroorganismen und Verrottungsprozesse haben gewirkt: Die Baststreifen lösen sich jetzt gut von der festen Borke und lassen sich in langen, dicken Lagen abziehen.
Ein Waldtümpel, Mücken und diese schlammige Arbeit ergeben eine schöne Freizeitgestaltung…


An einem sauberen Gewässer werden Bast und Mensch nun gewaschen.


Und nun kann der Bast zum Trocknen aufgehangen werden.


Nutzen & Geschichte

Der trockene Bast lässt sich lagern und bei Bedarf weiter verarbeiten und vielfältig verwenden:


Aus den Bastfasern lassen sich feine Schnüre bis hin zu dicken Seilen herstellen. Sie sind sehr stabil, eingefettet auch lange haltbar und salzwasserfest.
Sie dien(t)en uns und unseren Ahnen als Fixierungen und Wicklungen an Werkzeugen [wie oben am Grabstock und der BirkenRindenKelle], an Harpunen und Aalstechern.
Bei Ausgrabungen an der Ostsee kamen Klingen mit Holz und Lindenbast, Schnüre, Fischreusen mit Wicklungen aus Lindenbast und ein Angelhaken aus Knochen mit Lindenbastschnur zu Tage – 6000 Jahre alt.
Seile aus diesem Bast wurden auch zum Lastentransport im bronzezeitlichen Bergbau eingesetzt.
Jüngere Funde zeigen, dass Wikinger und Slawen ihre Schiffe mit Seilen aus Lindenbast ausgerüstet haben. Die Takelage hatte starke Beanspruchungen zu überstehen und musste sehr stabil sein. [Quelle: M. Pfeifer]


die Linde [Holz, Blüten, Bedeutung]

Das Holz der Linde ist dauerhaft, leicht zu bearbeiten und eines der besten Schnitzhölzer.


Lindenblüten werden wegen ihrer heilsamen Wirkung und ihres guten Geschmacks als Tee genutzt. Schon bei den Römern war Lindenblütenhonig wichtig. Damals war Honig die einzige Art von Zucker – so wurden die Linden während der Blütezeit sogar von Soldaten beschützt.


Der Linde wird seit Langem große Bedeutung beigemessen – sie ist Tanzlinde und Dorfmittelpunkt; hier wurden Versammlungen und Beratungen abgehalten.
Unter der Linde befanden sich oft bis ins 18. Jahrhundert Gerichtssaal und Gerichtsstätte zugleich – das Urteil wurde hier gesprochen und vollstreckt [im GalgenMännchenStil].
Die Linde war schon den Germanen heilig. Oft war sie der Göttin Freya (Göttin der Liebe und des Glückes, der Fruchtbarkeit und des häuslichen Friedens) geweiht.

Von Hermann Helmbold – Voss, Georg (Hrsg.): Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Amtsgerichtsbezirk Eisenach. In: Lehfeldt, Paul/Voss, Georg (Hrsg.): Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Heft XL. Jena 1915 S.193, Gemeinfrei, Link


Am Brunnen vor dem Thore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt’ auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab’ ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst Du Deine Ruh’!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ in’s Angesicht;
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör’ ich’s rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

Zitiert nach: Wilhelm Müller: Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten. Erstes Bändchen. Zweite Auflage, Dessau 1826, S. 83f.

4 Kommentare zu „Lindenbast

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