Zu Teil #1
Das kleine Abenteuer | Mikroabenteuer
Draußen zu übernachten ist immer ein kleines Abenteuer. Menschen sehnen sich nach solchen kleinen Abenteuern, weil wir nach wie vor ein Teil der Natur sind. Unterbewusst suchen wir diese Erlebnisse, während wir gleichzeitig Schutz brauchen. In unseren vier Wänden fühlen wir uns sicher vor wilden Tieren und dem Wetter, draußen hingegen sind wir den Elementen ausgeliefert.
Immer wieder merke ich, wie draußen meine Sinne geschärft werden. Ich höre genauer hin und versuche besser zu sehen und zu fühlen. Eine Übernachtung alleine im Wald kann verschiedene Emotionen in uns wecken, insbesondere Ängste. Wir sind es nicht mehr gewohnt, alleine in der freien Natur zu sein. Dennoch lebt das Verlangen danach in uns. Am Anfang ist es ungewohnt, aber so stellt man wieder eine Verbindung zur Natur her.

Für mich ist es kein Widerspruch, draußen zu sein und respektvoll mit der Natur umzugehen. Wir benötigen diese Naturverbindung, um sie zu respektieren und zu schützen. Es gibt nur noch wenig Wald, und die Tiere darin haben ein Recht auf ihre Ruhe vor uns. Wenn wir jedoch nicht mehr hinausgehen und uns von der Natur abschotten, verlieren wir den Bezug zur Schönheit und Wildheit, die es zu schützen gilt.
Es muss nicht der Wald sein
Habt ihr euch einmal dafür entschieden, draußen zu übernachten, aber wollt nicht gleich im Wald übernachten, dann gibt es gerade zu Beginn drei Dinge, die ihr tun könnt:

- Wenn ihr einen Garten habt, könnt ihr dort schlafen. Beginnt mit einem Zelt, probiert später eine Plane und bei gutem Wetter ganz ohne Dach. Das fühlt sich weniger gefährlich an als im Wald. Bei Angst könnt ihr ins Haus zurückkehren, seid durch den Gartenzaun geschützt und habt im Notfall einen Rückzugsort.
- Ein weiterer Schutz sind gute Freunde. Alleine draußen zu schlafen, ist nicht für jeden angenehm. Wir sind in gewisser Weise Rudeltiere und brauchen Gesellschaft. Wenn ihr keinen eigenen Garten habt, fragt Freunde. Vielleicht hat jemand einen Garten oder ein Grundstück, wo ihr abends am Feuer sitzen und reden könnt. Eine Möglichkeit findet sich immer, wenn man herumfragt.
- Ihr könnt auch online nach einer gesicherten Stelle suchen. In eurer Nähe gibt es bestimmt einen Biwakplatz, Trekkingplatz oder einen naturnahen Campingplatz.
Chance und Risiko
In diesem Buch zeige ich euch Möglichkeiten, wie man die Nacht draußen möglichst gut geschützt verbringen kann. Das ist individuell und kann aus verschiedenen Gründen nötig oder gewollt sein. Es kann als Herausforderung gesehen werden, draußen etwas selbst zu bauen, oder man plant eine gemütliche Zeit unter einem einfachen Tarp oder einer Plane. Wichtig ist es, eine erholsame Nacht zu haben. Die meisten kennen das Gefühl, wie ein Tag nach einer Nacht ist, in der man wenig oder schlecht geschlafen hat. Unbequeme Unterlagen und ständiges Wachsein machen den nächsten Tag nicht besser. Ein guter Schlaf ist immer wertvoll. Draußen zu schlafen kann eine wahre Erholung sein, wenn ein paar Dinge beachtet werden.

Für manche ist draußen übernachten eine kurze Auszeit vom Alltag, die hilft, die Akkus wieder aufzuladen. Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass die Natur uns erdet, Stress abbaut, den Blutdruck senkt und den Körper mit Sauerstoff versorgt. Sogar gegen Depressionen soll es helfen. In Japan wird das Waldbaden sogar ärztlich verordnet.
Warum kein Zelt
Zelte sind in gewisser weiße auch Räume, nur das die Räume nicht stabil sind. Ich habe immer das Gefühl im Zelt von der Umwelt abgeschnitten zu sein. Ich habe alles gehört aber nichts gesehen. Zelte machen für mich Sinn, wenn ich vor bestimmten Kleintieren oder dem Wetter in schwierigen Gebieten Schutz suche. Oder auf Campingplätzen, da braucht es etwas Privatsphäre. Aber wenn es das Wetter und die Örtlichkeit zulassen, schlafe ich ohne Zelt. So habe ich schon so manches Tier oder den Sternenhimmel beobachtet. Gerade am Morgen zum Sonnenaufgang ist es immer etwas ganz Besonderes. Im Sommer wird es in einem Zelt schnell sehr warm und stickig.
Doch manchmal braucht es ein Dach über dem Kopf. Ich habe schon mal eine Übernachtung abgebrochen, weil ich kein Dach hatte. Ich lag auf einer Wiese und in der Nacht hat es angefangen zu regnen. Nach anderthalb Stunden Fußmarsch kam ich früh um fünf völlig durchnässt zu Hause an. Seitdem ist es bei mir zu einer Grundregelgel geworden: Ankommen und Nachlager aufbauen. Wie oft habe ich am Anfang Lehrgeld bezahlt. Mit dem Gedanken „Es wird heute sicher nicht regnen“.

Wir hatten damals noch keine Wetter-Apps. Im Dunkeln bei Regen aus dem warmen Schlafsack raus zu müssen und schnell noch eine Plane zu spannen, ist nicht schön. Alles wird nass und dreckig. Außerdem wusste ich damals noch nicht, dass der Morgentau auch sehr feucht sein kann. In der heutigen Zeit mit Wetter-App und Biwaksack lebt es sich sehr viel entspannter und ich weiß jetzt, ob ich ein Dach brauche oder nicht.
Zu Teil 3
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